Schaûl, Anwar: Die Reli­gi­on und die Vater­lands­lie­be (JID1)

Den ers­ten (tat­säch­li­chen) Bei­trag der Rei­he Jüdisch-ira­ki­sche Dich­tung möch­te ich heu­te mit dem Schrift­stel­ler Anwar Schaûl eröff­nen. Der Inhalt selbst bedarf kei­ner Erklä­rung. Die Geschich­te aller­dings, war­um es ent­stand und wel­che Wir­kung es erziel­te, ist span­nend.

Die Reli­gi­on und die Vater­lands­lie­be (1969)

Auch wenn ich von Mose mei­nen Glau­ben nahm,
ste­he ich im Schat­ten von Moham­meds Reli­gi­on.
Mei­ne Zuflucht war die Tole­ranz des Islam
und die Wort­kunst des Korans war mein Quell.
Mei­ne Lie­be zu Ahmeds Gemein­schaft schwand nicht dahin,
obwohl ich der Reli­gi­on Moses erge­ben bin.
Die­ser Sama­wal in Treue blei­be ich,
ob ich in Bag­dad glück­lich bin oder nicht.1

Ret­tung aus dem Gefäng­nis

Im Jah­re 1969 wur­de Mîr Bas­rî – ein Freund Schaûls – ver­haf­tet und ver­brach­te 54 Tage im Gefäng­nis. Schaûl ver­fass­te die­se Ver­se, die er dann durch einen Freund an den Vize­mi­nis­ter­prä­si­den­ten Sâlih Mah­dî Ammâsch sand­te, der selbst His­to­ri­ker, Schrift­stel­ler und Dich­ter war. Jener ver­an­lass­te die Frei­las­sung, nach­dem er erfah­ren hat­te, dass ein jüdisch-ira­ki­scher Dich­ter im Gefäng­nis saß.

  1. Über­setzt aus: Šāʾūl, Anwar: Qiṣṣat Ḥayātī fī Wādī ar-Rāfi­dayn / Mūrīh, Šamūʾīl (Hrsg.). Jeru­sa­lem: Manšūrāt Rābiṭat al-Ǧāmiʿīyīn al-Yahūd an-Nāziḥīn min al-ʿIrāq, 1980, S. 69.