Blog zur ara­bi­schen Lite­ra­tur?

War­um machst du eigent­lich kei­nen Blog zur ara­bi­schen Lite­ra­tur? Du liest doch so ger­ne. Das passt doch so gut zu dei­nem Inter­es­se und Stu­di­um.

So ein­fach ist das gar nicht!

Es ist schwie­rig, einen deutsch­spra­chi­gen Blog zur ara­bi­schen Lite­ra­tur zu füh­ren. Es gibt zu wenig Über­set­zun­gen. Ob sich das in den nächs­ten Jah­ren ändert, kann ich nicht vor­aus­sa­gen. Man könn­te mei­nen, dass die der­zei­ti­ge Situa­ti­on das Inter­es­se für ara­bisch­spra­chi­ge Lite­ra­tur begüns­ti­ge; mei­ne Beob­ach­tun­gen sind aber ande­re. Ich sehe es daher sehr schwie­rig. Aber selbst ori­gi­nal­sprach­li­che Wer­ke sind hier kaum zu bekom­men, sodass ich immer im Aus­land bestel­len müss­te.

Ein recht jun­ges Gen­re

Zudem ist die Bel­le­tris­tik in der ara­bisch­spra­chi­gen Welt ein schwie­ri­ges Unter­fan­gen. Die moder­ne Pro­sa – und ins­be­son­de­re der Roman – ist aus lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­cher Betrach­tung noch sehr jung. Erst zum Ende des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts begann man, die­ses Gen­re von den Euro­pä­ern zu über­neh­men; im zwan­zigs­ten Jahr­hun­dert hat man es dann ver­fei­nert, wor­aus sich eini­ge Grö­ßen her­aus­kris­tal­li­siert haben. Zu nen­nen sind: Hus­sein Hai­kal, Nagîb Mah­fûz (der ein­zi­ge ara­bisch­spra­chi­ge Lite­ra­tur­no­bel­preis­trä­ger, 1988) oder Ghas­sân Kan­afânî. Die Golf­re­gi­on steht seit jeher im Schat­ten der rest­li­chen ara­bisch­spra­chi­gen Welt. Es gibt im Ara­bi­schen einen Spruch, der das recht bild­lich aus­drückt:

Ägyp­ten schreibt, der Liba­non druckt und der Irak liest.
Oder: Kai­ro schreibt, Bei­rut druckt und Bag­dad liest.

Bis heu­te schei­nen das die Zen­tren der ara­bi­schen Bel­le­tris­tik zu sein. Die Maghreb­staa­ten, die auch eini­ges her­vor­ge­bracht haben – und der­zeit mit der alge­ri­schen Schrift­stel­le­rin Ahlâm Mosteg­hâ­ne­mî noch viel her­vor­brin­gen –, sind ein Son­der­fall, da sie mit­un­ter zur fran­ko­pho­nen Lite­ra­tur zäh­len. Kurz­um lässt sich sagen, dass die moder­ne ara­bi­sche Erzähl­li­te­ra­tur noch einen lan­gen Weg vor sich hat, bis sie den Rang der »klas­si­schen« Lite­ra­tur und das unan­ge­tas­te­te Pres­ti­ge der Dich­tung errei­chen wird.

Ich kann zur moder­nen Lite­ra­tur daher kei­ne all­zu gro­ßen Ver­spre­chun­gen machen. Soll­te mir doch (ab und an) ein gutes Buch in die Hän­de fal­len, wer­de ich nicht mit einer Bespre­chung zögern.

Viel­leicht eine Bei­trags­se­rie?

Den­noch habe ich bei mei­ner letz­ten Rezen­si­on etwas bemerkt. Natür­lich lese ich mir ande­re Buch­be­spre­chun­gen und Kri­ti­ken durch, wenn ich hier etwas ver­fas­se. Dadurch erhal­te ich auch wert­vol­le Impul­se. Im Fal­le der Rezen­si­on zur Antho­lo­gie ara­bi­scher Dich­te­rin­nen ist mir auf­ge­fal­len, dass vie­le doch recht blau­äu­gig das Nach­wort ange­nom­men haben. Dar­auf­hin habe ich mir noch ein­mal Tex­te klas­si­scher Adab-Autoren zu dich­ten­den Sän­ger­skla­vin­nen durch­ge­le­sen. Adab-Tex­te sind span­nend, wit­zig, manch­mal pole­misch, aber meist sehr elo­quent geschrie­ben.

Even­tu­ell kann ich eine Art Bei­trags­se­rie auf mei­nem Blog ins Leben rufen, wor­in ich eini­ge Tex­te (nicht nur zu dich­ten­den und sin­gen­den Skla­vin­nen) sowohl der klas­si­schen Pro­sa als auch Dich­tung vor­stel­le und über­set­ze. Aller­dings mache ich das vom Inter­es­se und von der Nach­fra­ge abhän­gig.

Kategorien Gedanken Persönliches

über

Arabist mit Schwerpunkt auf arabischer Sprachwissenschaft (klassisches Arabisch, modernes Hocharabisch, Grammatik, Dialektologie) sowie klassischer und moderner Dichtung, Lektor, Lehrer, Übersetzer, Dichter, Literaturkritiker