Abû Nuwâs: War­um ist der Penis leicht? (KAD1)

Den ers­ten Bei­trag der Rei­he Klas­si­sche ara­bi­sche Dich­tung (KAD) möch­te ich heu­te mit mei­nem Lieb­lings­dich­ter eröff­nen: Abû Nuwâs (gest. um 815). Sein nach­fol­gen­des Gedicht ist ein Schmäh­ge­dicht an den Phi­lo­so­phen ibn Hudaidsch.

War­um ist der Penis leicht?

Alle von uns, o ibn Hudaidsch, sind Skla­ven dei­nes Wis­sens.
Die Medi­zin ist jedoch für dich die wert­volls­te Beschäf­ti­gung.
Du bist dar­in ein wah­rer Phi­lo­soph, wohl­un­ter­rich­tet über die Schwä­chen.
War­um ist der Penis leicht, aber schwe­rer, wenn er steht?
Und wenn er sei­nen Inhalt leert, hängt er und wird welk?
Ist das neu, was er durch­macht, oder von Ewig­keit her exis­tie­rend?
Und war­um ist es ange­nehm, zu rei­ben, wenn dies wie­der­holt geschieht?
Doch wenn der Genuss zu Ende kommt, bückt sich der Penis vor Müdig­keit?1

  1. Über­setzt aus: Wag­ner, Ewald (Hrsg.): Dīwān Abī Nuwās al-Ḥasan Ibn-Hāniʾ al-Ḥakamī. Band 2. Wies­ba­den: Stei­ner 1972, S. 110–111.